*) Ilija Trojanow, “Der überflüssige Mensch”, 2015,
              Deutscher Taschenbuch Verlag, .
Ilija Trojanow schreibt dazu in seiner humanistischen Streitschrift „Der 
überflüssige Mensch“ folgendes:
„In Kreisen der wirtschaftlichen Eliten wird neuerdings ein erstaunlicher
posthumanitärer Cocktail aus neomalthusianischen Details und fundamenta-
listisch sozialdarwinistischen Positionen gemixt.
Schon 1996 erklärte CNN-Gründer Ted Turner der Zeitschrift „Audubon“: „Eine
Bevölkerung von weltweit 250 bis 300 Millionen Menschen, also ein Rückgang
um etwa 95 Prozent, wäre ideal“. Im Alter nicht nur weiser, sondern auch
nachsichtiger geworden, formulierte er 2008 beim World Affairs Council of
Philadelphia das visionäre Ziel, die Weltbevölkerung auf zwei Milliarden zu
verringern.
Sein Freund John Malone, der ihn 2011 als größter privater Landeigentümer
der Vereinigten Staaten ablöste, raunte sibyllisch: „Ich bin eher geneigt
zuzugestehen, dass der Mensch nicht bis auf den letzten Großgrundbesitzer,
denn einige wenige werden übrig bleiben, Milliardäre samt Bediensteten sowie
Elchjäger und Biodiversitätsexperten – Ted Turner lebt diese „Utopie“ selbst
vor. Er hat seine Latifundien in Montana, Nebraska, Oklahoma und New Mexico
quasi entmenscht, im Sinne einer ökologischen Rückwandlung (so wie einst
Bernhard Grzimek darauf beharrte, dass die ostafrikanischen Nationalparks frei
von dort lebenden Einheimischen sein sollten), und selbst alte Gewohnheits-
rechte der Indianer außer Kraft gesetzt. Zugang zu seinen Privatparadiesen
haben nur gutbetuchte Waidmänner, die fünfstellige Beträge für den Abschuss
eines Elchs bezahlen können. (….)
Der noch reichere Bill Gates propagiert eine weniger drastische Reduktion der
Menschenzahl. In einer Rede aus dem Jahr 2010 schätzt er, dass durch „neue
Impfstoffe und bessere Gesundheitsversorgung, vor allem im Bereich der
Fortpflanzung“ die Weltbevölkerung, die in absehbarer Zeit auf neun Milliarden
anwachsen werde, um zehn bis fünfzehn Prozent verringert werden könnte.”
(S.19ff.)
Diese These der notwendigen Bevölkerungreduktion geht übrigens auf den
britischen Ökonom Thomas Malthus (1766 - 1834) zurück.  Allerdings sind
dessen Thesen keineswegs bewiesen und heftig umstritten …
Trotzdem: „Neomalthusianer haben nicht nur in den USA Hochkonjunktur. Die
russische Zeitung „Ekologitscheski Postmodern (Ökologische Postmoderne)
publizierte vor einigen Jahren einen Bericht zu diesem Thema, der unter
anderem eine Tabelle für das Jahr 2007 über „Länder der Welt mit über-
flüssiger Bevölkerung“ enthielt, definiert gemäß den oben skizzierten, rein
ökonomischen Kriterien: als überflüssig gilt derjenige, dessen Arbeitskraft in
den kapitalistischen Kreisläufen nicht profitabel genutzt werden kann. In dieser
Statistik werden insgesamt 107 Staaten aufgeführt, in denen über 80 Prozent
der Weltbevölkerung beheimatet sind, alles in allem 5 470 982 000 Seelen, bei
einer „biologisch zulässigen Bevölkerung“ von 1 922 121 200. (Wie diese Zahl
berechnet worden ist, wird verschwiegen). Die „Überbevölkerung“ beträgt
demnach 3 548 860 800. (….) auffällig ist, dass in dieser Aufzählung der
Überflüssigen weder Russen noch US-Amerikaner auftauchen. Denn
überflüssig sind immer nur die anderen.“ (*Trojanow, S.22 ff.)
Thomas Malthus